Umweltbildung und Zukunftsakademie für indische GrundschülerInnen und LehrerInnen

Der Klimawandel kennt keine Grenzen und wird von bevölkerungsreichen Ländern wie Indien maßgeblich beeinflusst. Daher ist es wichtig, dass in diesen Ländern neben klassischer Entwicklungshilfe die Bekämpfung des Klimawandels durch Umweltbildung gefördert wird.

Hitzewellen, Dürreperioden, Erdrutsche, Waldbrände, Überflutungen, Wasserknappheit, Entwaldung, Bodenerosion, Artensterben und Wüstenbildung – viele dieser Katastrophen haben den Klimawandel als Ursache, dessen verheerende Folgen mittlerweile auch in unserer westlichen Hemisphäre immer sicht- und spürbarer werden.

Daher haben wir gemeinsam mit einer indischen Partnerorganisation eine ,,Environmental Education Future Academy“ für Grundschulen entwickelt und erproben diese seit Februar 2022 in einer Pilotphase in Süd- und Nordindien.

Das praxisnahe und interaktive Programm beinhaltet 12 Webinare für SchülerInnen und LehrerInnen, mit denen das Umweltbewusstsein der TeilnehmerInnen nachhaltig gefördert werden soll. Zusammenhänge werden aufgezeigt und Möglichkeiten, wie man persönlich zum Klimaschutz beitragen kann, werden von anerkannten TrainerInnen und WissenschaftlerInnen vermittelt. Darüber hinaus werden die teilnehmenden Schulen im Rahmen dieses Programms auf ,,green schools“ umgestellt, indem für jede Schule ein eigenes Umweltkonzept erarbeitet und parallel zu den Webinaren implementiert wird. Nach der Entwicklungs- und Pilotphase wird dieses innovative Konzept überarbeitet (lessons learned), damit es zukünftig an weiteren Partnerschulen angewendet werden kann.

Umweltbildung 2.0

Auch wenn in Europa tendenziell immer mehr finanzielle Ressourcen in den Umweltschutz fließen, wird die Zukunft unserer Erde maßgeblich von den Entwicklungen in den sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern mitbestimmt. Klimawandel kennt keine geographischen Grenzen. Darüber hinaus sind Menschen in Entwicklungsländern am stärksten vom Klimawandel betroffen und haben in den meisten Fällen nicht die finanziellen Ressourcen, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.  Viele Lebensräume werden bald nicht mehr bewohnbar sein und Klimaflüchtlinge sind die logische Konsequenz.

Zahlreiche Menschen in unseren Schwerpunktländern leben von der Landwirtschaft, sie ist oft ihre einzige Existenzgrundlage. Das Familieneinkommen hängt direkt von einer intakten Umwelt ab, genauso wie die Gesundheit der Kinder. Daher haben Umweltfaktoren auch einen direkten Einfluss auf unseren thematischen Schwerpunkt Bildung, denn nur gesunde SchülerInnen können den Unterricht regelmäßig besuchen.

Umweltschutz und Armutsbekämpfung gehören zusammen

Natürlich beeinflussen Umweltbelastungen in bevölkerungsreichen Ländern wie Indien den Klimawandel enorm und da die negativen Auswirkungen keine nationalstaatlichen Grenzen kennen, ist auch unser Schicksal mit dem Geschehen in diesen weit entfernten Ländern eng verknüpft.

Nunmehr müssen uns auch wir als Organisation im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit vermehrt mit Umweltbelangen beschäftigen, denn eine nachhaltige Entwicklung ist nur in einer intakten Umwelt möglich und erstrebenswert. Wenn wir für das Wohlergehen unserer Schützlinge Sorge tragen wollen, dann dürfen wir Umweltschutz in unserer Praxis nicht vernachlässigen. Unser erklärtes Ziel ist es daher, dass Umweltbildung ein integraler Bestandteil jedes Lehrplans wird – beginnend mit den SONNE-Schulen!

Es bleibt noch einiges zu tun

Umweltbildung hat noch keinen ausreichenden Platz in indischen Lehrplänen gefunden. Es gibt zwar diverse Umweltworkshops, die von unterschiedlichen Institutionen angeboten werden, jedoch sind diese in den meisten Fällen nur einmalig und außerdem für viele Schulen zu teuer. Ein einmaliger Sensibilisierungsworkshop wird das Verhalten der Kinder und LehrerInnen nicht nachhaltig ändern. Vor allem wird das tatsächliche Lebensumfeld der KursteilnehmerInnen von diesen Workshops nicht oder nur unzureichend

berücksichtigt und der Praxisbezug fehlt. Ein gesamtheitliches Onlineprogramm, das LehrerInnen, SchülerInnen und ihre Eltern kollektiv anspricht mit dem Ziel, das individuelle Umweltbewusstsein zu fördern und konkret eine ganze Schule ökologisch nachhaltiger zu gestalten, hat es bis jetzt noch nicht gegeben.

Unser konkreter Lösungsansatz

Ziel der Entwicklungszusammenarbeit ist es, nachhaltige Entwicklung zu fördern, doch diese Interventionen dürfen nicht auf Kosten ökologischer Aspekte vonstattengehen. Unsere Vision ist es, laufende Bildungsprojekte (eigene und auch externe) mit innovativen Webinaren aus dem Bereich Umweltbildung zu ergänzen und damit aktiv einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel zu leisten. Viele indische Schulen sind bereits mit einem guten Internet ausgestattet, was die reibungslose Abhaltung von Webinaren ermöglicht.  TrainerInnen müssen also nicht mehr persönlich anreisen, um ein Seminar abhalten zu können.  Wissen kann über große Distanzen vermittelt werden, was Ressourcen spart. Bis dato haben wir schon mehrere Webinare für unsere SchülerInnen in Nordindien umgesetzt, um das Potential von online-Webinaren zu testen.  Mit Erfolg wurden den SchülerInnen Themen wie Corona-Prävention  durch WissenschaftlerInnen / PädagogInnen aus Südindien vermittelt. Diese Webinare haben interaktive Elemente beinhaltet und nach Ende der Workshops wurde immer konkrete Aktionen initiiert.

Aufbauend auf diesen guten Erfahrungen wollen wir nun gemeinsam mit unserer Partnerorganisation – Suryoda Science Foundation – die ,,Environmental Education Future Academy“ entwickeln und im Rahmen einer Testphase (Pilot in Süd- und Nordindien) erproben.   Dieses Onlineprogramm wird aus 12 unterschiedlichen Webinaren bestehen und SchülerInnen und LehrerInnen eine fundierte Umweltbildung vermitteln. Die Webinare haben jeweils einen anderen thematischen Schwerpunkt, um zu erklären, welche Ursachen der Klimawandel hat und was jeder Einzelne dagegen tun kann. Dieses Programm soll zusätzlich zum normalen Lehrplan angeboten werden und ein ganzes Schuljahr lang andauern.

Nach jeder Einheit (Dauer ca. 90 Minuten) werden die TeilnehmerInnen eine Hausübung (Gruppen- und Einzelübungen) bekommen, damit das erlernte Wissen sogleich in der Praxis angewendet werden kann. Bei diesen Praxisaufgaben werden auch die Eltern der Kinder mit einbezogen. Die Webinare für die LehrerInnen sind inhaltlich so aufgebaut, dass die jeweiligen Schule sukzessive auf eine ,,green school“, die ressourcenschonender ist, umgestellt wird. LehrerInnen und SchülerInnen werden durch die Webinare motiviert, sich umweltschonender zu verhalten. Jede/r SchülerIn hat darüber hinaus die Möglichkeit, online mit einem/r WissenschaftlerIn ein bilaterales Gespräch zu führen. Diese ,,mentoring talks“ werden die Kinder motivieren, an eine bessere Zukunft für sich selbst zu glauben, denn die WissenschaftlerInnen, mit denen sie reden können, kommen ebenfalls aus armen Verhältnissen und haben durch ihre akademische Karriere einen sozialen Aufstieg geschafft.

Erwartete Ergebnisse

Die ,,Environmental Education Future Academy“ wird im Rahmen dieses Projektes von WissenschaftlerInnen konzipiert, entwickelt und in einer Pilotphase an einer Schule in Nordindien und an einer Schule in Südindien umgesetzt. Nach dieser Phase wird das gesamte Programm evaluiert und verbessert, damit es später an weiteren Schulen angewendet werden kann. Folgende Aktivitäten sind geplant:

  • Konzeption des Programmes ,,Environmental Education Future Academy” für indische Grundschulen
  • Ausarbeitung (Inkl. Handouts und online-Präsentationen) von 6 Webinaren für LehrerInnen
  • Ausarbeitung (Inkl. Handouts und online-Präsentationen) von 6 Webinaren für SchülerInnen
  • 20 GrundschullehrerInnen haben innerhalb eines Schuljahres 6 Webinare erhalten (10 in Nordindien und 10 in Südindien)
  • 40 SchülerInnen (Alter 12 bis 13 – aus der 5.Schulstufe) haben innerhalb eines Schuljahres an 6 Webinaren teilgenommen (20 Kinder in Nordindien und 20 Kinder in Südindien)
  • 40 SchülerInnen haben bilateral mit einem bzw. einer Wissenschaftlerin online 30 Minuten gesprochen (Mentoring Talks)
  • Evaluation des gesamten Pilotprogramms
  • Überarbeitung und Finalisierung aller Webinare für die ,,Environmental Education Future Academy”. Das Programm ist nun replizierbar und kann an weiteren Grundschulen in Indien angeboten werden.

(Projektlaufzeit 1.Februar 2022 bis 31.März 2023)

Dieses Projekt wird unterstützt durch: