Mein Einsatz für benachteiligte Menschen in Bangladesch

Bangladesch war das erste Projektland von SONNE-International und Md. Al Mamun, Country Director von SONNE Bangladesch war von der ersten Stunde mit dabei. Er selbst sagt „ich war der erste SONNE-Begünstigte“ – lesen Sie hier seine spannende Geschichte.

(Übersetzung und Kommentare von Gerhard Schindler)

Md. Al Mamun, Country Director SONNE Bangladesch, von Anfan an dabei.

Der Traum von der Stadt und einem Studium

Ich wurde am 4. September 1977 in eine muslimische Familie im Südwesten von Bangladesch geboren. Wir sind zwei Brüder und drei Schwestern. Meine Eltern waren schlechtbezahlte Regierungsangestellte und das Familieneinkommen reichte ganz einfach nicht aus, um den Kindern eine weiterführende Ausbildung zu ermöglichen, obwohl sie das sehr gerne gemacht hätten.

Auch ich träumte davon, in die Stadt zu ziehen, um dort zu studieren. 1994 hielt ich mein Higher Secondary Certificate (entspricht in etwa dem österreichischen Maturazeugnis) in Händen und wollte unbedingt ein Universitätsstudium beginnen. Wegen der hohen Kosten bedurfte es großer Überredungskünste meinerseits, um meine Eltern davon zu überzeugen, mich nach Dhaka (Hauptstadt von Bangladesch) gehen zu lassen, wo ich mich mit Nachhilfestunden für SchülerInnen in den alten Vierteln der Stadt mühsam über Wasser hielt.

Mit Nebenjobs über Wasser gehalten

Dank meiner guten Maturanoten wurde ich 1995 zum Studium an der Universität zugelassen, was mich sehr glücklich machte. Nach den Vorlesungen gab ich jeden Tag Nachhilfe, doch es war äußerst schwierig, mit dem bescheidenen Einkommen die Kosten für Essen, Unterkunft, Studiengebühren usw. aufzubringen.

Glücklicherweise traf ich Herrn Rezaul Karim, einen Sozialarbeiter, der im alten Zentrum von Dhaka eine Abendschule und einen Klub gegründet hatte. Er lud mich ein, in seiner Abendschule Straßenkinder zu unterrichten, und so arbeitete ich auf Teilzeitbasis als Lehrer und im angeschlossenen Klub.

Im Gespräch mit einem Schützling

Der entscheidende Wendepunkt

Außerdem übte ich ehrenamtliche Tätigkeiten in verschiedenen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) aus. Nach drei Jahren bekam ich ein Angebot für einen Teilzeitjob bei HOPE ’87 Bangladesch, einer Zweigstelle einer österreichischen NGO, und begann für sie zu arbeiten.

Mein Studium musste ich deshalb leider zusehends vernachlässigen. Im Zuge meiner Tätigkeit für HOPE ’87 traf ich 1998 Erfried Malle, der damals ebenfalls für diese Organisation im Einsatz war. Das wurde zu einem entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben. Für verschiedene Projektaktivitäten reisten wir gemeinsam viel im Land herum, besonders in den Chittagong Hill Tracts (CHT – eines der drei derzeitigen SONNE-Projektgebiete, von verschiedenen benachteiligten Minderheitenvölkern besiedelt).

Wir hatten viel Gelegenheit, miteinander zu sprechen und es stellte sich heraus, dass wir in vielen Dingen dieselben Ansichten hatten. Erfried wurde mit seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschen immer mehr zu meinem Vorbild. Er leitete mich an, ermutigte mich und bestand darauf, dass ich mein Studium abschließe, was mir dank seiner Unterstützung auch gelang. Dafür und für Capacity Building in der Entwicklungsarbeit gab er mir jede erdenkliche Hilfe.

Zu Besuch bei den SONNE-Patenkindern.

Ich kann mit Stolz bestätigen, dass ich der erste SONNE-Begünstigte war!

Md. Al Mamun beim 10-jährigen Jubiläum von SONNE-International

Voller Einsatz für die gute Sache

Auf meinen gemeinsamen Reisen mit Herrn Erfried Malle wurde ich aus nächster Nähe mit der Not der benachteiligten Menschen in den ländlichen Gebieten konfrontiert und langsam festigte sich in mir der Entschluss, die berufliche Laufbahn eines Entwicklungshelfers einzuschlagen und mich für Bangladeschs Hilfsbedürftige einzusetzen. Ab der Gründung von SONNE-International arbeitete ich (im Rahmen meiner Tätigkeit für HOPE ’87) in Teilzeit als Buchhalter und Verwaltungsbeamter für Erfrieds Organisation. Damals war ich jeden Tag 12 bis 13 Stunden für HOPE ’87 und SONNE auf den Beinen und kannte keine Müdigkeit.

Ich arbeitete später selbstständig bzw. für lokale NGOs, war aber gleichzeitig immer auch für SONNE tätig, damals unter der Leitung von Country Manager Abdul Momen. 2009 wurde SONNE-International Bangladesch registriert und von der Regierung offiziell anerkannt. 2011 machte mich Herr Malle zum Deputy Country Manager. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete ich natürlich in Vollzeit für SONNE. Im September 2013 wurde mir schließlich die Leitung von SONNE-International Bangladesch übertragen, ich wurde zum Country Manager und später zum Country Director ernannt. Seit dieser Zeit fließt meine ganze Energie in diese anspruchsvolle Aufgabe.

Zwei Wünsche

Im Jahr 2000 habe ich geheiratet und lebe seither glücklich mit meiner Frau, meinem Sohn und meiner Mutter. Mein Vater verstarb 2019. Unser Sohn besucht derzeit die 11. Klasse (vorletzte Klasse einer Höheren Schule). Im Moment habe ich nur zwei Wünsche. Der erste ist, meinen Sohn dabei zu unterstützen, dass er seine Ausbildung erfolgreich abschließen kann und der zweite, so lange für SONNE zu arbeiten, wie mir das mein körperlicher Zustand bzw. die Leitung von SONNE-International Österreich gestatten.

Im Zuge meiner Entwicklungsarbeit habe ich bereits internationale Treffen, Seminare und Workshops in Österreich, Äthiopien, Deutschland, Frankreich, Indien, Indonesien, Kenia, Liechtenstein, Malaysia, auf den Malediven, in Myanmar, den Niederlanden, Nepal, Singapur, in der Slowakei, in Sri Lanka, in der Schweiz, in Thailand, in der Türkei, in Uganda und in Vietnam besucht.

  • SONNE-International in Bangladesch, Rohingya Nothilfe

Ob bei der Eröffnung eines neuen Studentenheimes, bei der Verteilung von Rollstühlen oder im Rohingya-Camp. Mamun kannt keine Müdigkeit und ist mit vollem Einsatz bei der Sache.

Seit 2002 konnte SONNE viel bewirken in Bangladesch

Dank der Unterstützung verschiedener europäischer Entwicklungspartner konnten seit der Gründung folgende Leistungen von SONNE-International in Bangladesch erbracht werden:
• Betrieb von elf Volksschulen im Subdistrikt Alikadam seit 2005
• Amtliche Registrierung von SONNE-International Bangladesch als Zweig
einer internationalen NGO 2009
• Implementierung eines einkommensschaffenden Ausbildungsprojekts für Angehörige ethnischer Minderheiten im Distrikt Kustia 2009
• Eröffnung des SONNE-SchülerInnenheims in Alikadam 2010,
anfangs mit zwölf Kindern. Derzeitiger Stand: 45 Kinder
• Betrieb von acht Volksschulen in Jhenaigati seit 2010
• Betrieb eines Ausbildungszentrums (Computer und Schneiderei)
in Jhenaigati seit 2010
• Betrieb eines Ausbildungszentrums (Computer, Schneiderei und Weberei)
in Alikadam seit 2012
• Ankauf von Land und Errichtung eines SONNE-SchülerInnenheims,
eines Ausbildungszentrums und eines SONNE-Projektbüros in Alikadam 2013–2014
• Ankauf von Land und Errichtung eines SONNE-StudentInnenheims
und eines SONNE-Büros in Dhaka 2014–2015
• Errichtung von 18 Volks- und zwei Sekundarschulen in Alikadam
und Jhenaigati 2014–2018
• Ankauf von Land und Errichtung eines SONNE-SchülerInnenheims,
eines Ausbildungszentrums und eines SONNE-Projektbüros in Jhenaigati 2016–2017
• Medizinische Nothilfe für Rohingya-Flüchtlinge und bengalische Anwohner des Flüchtlingslagers im Distrikt Cox‘s Bazar seit November 2017
• Verteilung von Hygienepaketen zur Kontrolle der Corona-Pandemie
seit März 2020
Zusätzlich wurden bei Bedarf immer wieder Nothilfe- und Wiederaufbauprogramme durchgeführt.