Revolutionäre Bambusarchitektur für vertriebene Waisenkider

Im burmesichen Bundesstaat Chin herrscht seit vier Jahren Krieg, und viele Menschen wurden von dort vertrieben. Diese Binnenflüchtlinge haben sich außerhalb von Yangon in einem kleinen Lager eingerichtet, da sie hier in relativer Sicherheit leben können. Die Häuser in diesem Lager wurden mit minimalen Mitteln rasch aufgebaut und sind mittlerweile von Termiten und dem Zahn der Zeit angenagt und sind in sehr schlechtem Zustand.

SONNE-Projektkoordinator Jochen Meissner erklärt die Hintergründe des Schülerheim-Neubaus (in englischer Sprache).

Die Ärmsten trifft es wie immer am Härtesten. 

Unter den Vertriebenen gibt es auch viele Waisenkinder, und deren Haus steht kurz vor dem Einsturz. Deshalb haben wir beschlossen, für diese armen Kinder ein funkelnagelneues Schülerheim aufzubauen. Unser Projektkkoordinator in Myanmar, Jochen Meissner, hat deshalb Kontakt zu dem jungen, innovativen Architektenteam von Blue Temple aufgenommen die dieses Bauvorhaben nun mittels neuartiger Bambusarchitektur realisieren werden. Es wird ihre bisher größte, nur aus vorgefertigten Bambusteilen errichtete Struktur. 

Die Vorfertigung der Bambusteile für den Rahmen des neuen Schülerheims.

„Im Grunde versuchen wir, qualitativ hochwertige Wohnungen zu einem sehr sehr günstigen Preis zu bauen“, erklärt Raphaél von Blue Temple.

Nachdem in den nächsten Jahren mit weiteren vertriebenen Waisenkindern zu rechnen ist, wird das neue Haus gleich größer gebaut, konkret planen wir, einen etwa 70 Quadratmeter großen Schlafsaal zu bauen, mit getrennten Bereichen für Mädchen und Buben. 

Das gesamte Bauvorhaben soll in ungefähr eineinhalb bis zwei Wochen fertiggestellt werden und zusammen mit der örtlichen Gemeinde gebaut werden. Es werden also hauptsächlich Leute aus dem Dorf für die Arbeiten eingestellt.

Hier können Sie dieses einzigartige Bauvorhaben Schritt für Schritt mitverfolgen:

Eines der älteren Häuser kurz vor der Demontage

Tag 1:

Am ersten Tag erfolgte der Transport der Fundamente und des Bambus. Es mußte ein 16-Fuß-LKW gemietet werden, um das gesamte Material von Bago nach Hmawbi zu transportieren.

Beim Abladen der ersten Teile.

Tag 2:

Zu Beginn des Tages gab es einen kurzen 2-stündigen Workshop mit dem Gemeindevorsteher des Dorfes und seiner Frau, um über die endgültige Gestaltung des Hauses auf dem Gelände zu entscheiden.

Nachdem alles geregelt war, begann das Team mit den Vorbereitungen für die Nivellierung der Fundamente, die aus präzisen Messungen, dem Graben der 40 Löcher zum Setzen des Fundaments und dem Vornehmen der richtigen Anpassungen bestand, damit sie alle die gleiche Höhe haben.

Der Start der Bauarbeiten.

Tag 3:

Zurück in Bago wurde der Versand der vorgefertigten Strukturrahmen aus Bambus vorbereitet. Da die Abmessungen der Rahmen groß sind, mussten genaue Pläne für den Transport zurück nach Hmawbi gemacht werden.

Es gab 2 Optionen, die erste Option war die Verwendung unseres speziell entworfenen und gebauten Tiefladers, der von unserem Firmenwagen gezogen wurde. Dieser Anhänger ist niedrig genug, damit wir im Dorf unter den tief hängenden Elektrokabeln durchfahren können. Am Weg müsste mit jedem einzelnen Militärkontrollpunkt verhandelt werden um den Preis für die Überquerung jedes Kontrollpunkts zu vereinbaren um sicherzustellen, dass es keine Probleme geben wird .

Option 2 bestand darin, einen Lastwagen zu mieten, der uns 5 Lakhs kosten würde. Aus Sicherheitsgründen haben wir uns für Option 2 entschieden. Die Frames kamen gegen 22:30 im Dorf an und alle halfen aufgeregt beim Abladen der Rahmen.

Spät Abends kamen die vorgefertigten Teile endlich an der Baustelle an.

Tag 4:

Jochen kam mit 2 Freiwilligen, Steffen und Damien, zu den Baustellen, um beim Bau zu helfen. Die Mannschaft verbrachte den ganzen Tag damit, die 16 Rahmen auf den 40 nivellierten Fundamenten zu installieren und begannen die Arbeit am Boden. Das Flüchtlingslager hat nur 1 oder 2 Stunden Strom pro Tag, daher müssen wir uns stark auf unseren Generator verlassen, um alle unsere Elektrowerkzeuge mit Strom zu versorgen.

Der Generator ist am Nachmittag ausgefallen, sodass er zur Wartung nach Yangon zurückgebracht werden mussten. In der Zwischenzeit wurde der Generator der Community der am Morgen darauf auch kaputt gegangen ist. Also war die erste Priorität, ihn zu reparieren.

All hands on deck – Beim Aufbauen der Rahmenstruktur ist jede hilfreiche Hand gefragt.

Tag 5 und 6:

Nachdem die Strukturrahmen aufgestellt war, wurde überprüft, dass alles sorgfältig ausgerichtet war. Anschließend wurde mit dem Bau des Bodens begonnen, wobei zwei überlappende Bambusgitter aufgebaut wurden, um einen einzigen verbundenen Boden im gesamten Gebäude zu schaffen.

Im Anschluß an die Installation der Dachbalken wurden die Wellblechplatten angebracht und mit einem zusätzlich aufgeklebten Isolieraufkleber beschichtet, der verhindert, dass das Metall den Innenraum an heißen Sonnentagen aufheizt.

Die Struktur ist bereits aufgebaut.

Tag 7:

Der Bodenbelag wurde gemeinsam mit weiteren Gemeindemitglied aus dem Dorf Kumisu verlegt, die die Idee einbrachten uns die Bambusschindeln zu verflechten und so dem Boden mehr Festigkeit zu verleihen. Eine spitzen Idee, die den Bauprozess sehr vereinfacht.

Nun müssen noch kleinere Details am Boden und dem Dach fertiggestellt werden, dann kann mit der Innenausstattung begonnen werden.

Dach und Boden sind so gut wie fertig.

Eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit!

Trotz der Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin läuft der gesamte Bau sehr gut, wir machen jeden Tag enorme Fortschritte. Die Atmosphäre als Standort ist spannend und fröhlich, jeder steckt sein Herzblut in die Arbeit. Wir haben 3 Vollzeitkräfte direkt von der Gemeinde eingestellt, wir zahlen ihnen Tageslöhne. Alle unsere Arbeiter essen und schlafen wir Camp und bezahlen die Gemeinde dafür, dass sie uns jeden Tag das Essen zubereitet.

Auf diese Weise nimmt die Gemeinschaft an dem Prozess teil, diese Beteiligung ist wichtig, damit sie ein Gefühl der Eigenverantwortung und Zugehörigkeit hat. Außerdem geben uns die 3 Gemeindearbeiter Anregungen, wie das Design verbessert werden kann, um es optimal an die Bedürfnisse des Wohnheims anzupassen.

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