Liebe Grüße aus Bangladesch !

Ulli ist seit einigen Tagen für SONNE-International in Bangladesch vor Ort unterwegs. Die erste Station der Reise ist Jhenaigati, nahe der indischen Grenze. Dort betreiben wir mobile Krankenstationen, Computer- und Schneidereikurse, ein Wohnheim für Schülerinnen, einkommensschaffende Projekte sowie Volks- und Mittelschulen für Kinder ethnischer Minderheiten. Wie Ulli diesen Projektbesuch erlebt, lesen Sie hier…

  • Sonne Mitarbeiter:innen stehen vor Kühen. projektbesuch bangladesch Schule Gesundheit

Meine ersten Eindrücke von der Hauptstadt Dhaka lassen sich in drei Worten zusammenfassen: laut, dicht und wuselig. Überall liegt eine permanente Geräuschkulisse aus Autohupen und Fahrradklingeln in der Luft. Dazwischen rufen Menschen, Hunde laufen munter durch das Chaos aus Autos, Rikschas, Tuktuks und Motorrädern. Obwohl gerade Ramadan ist, wirkt alles so geschäftig, dass ich mit dem Schauen kaum nachkomme. Selbst nachts bleibt diese Geräuschkulisse verlässlich – und wirkt dann auf ihre eigene Art fast schon meditativ.

Ab nach Jhenaigati

Am nächsten Morgen geht es bereits mit dem Country Director, Mamun, weiter aus der Stadt in Richtung Norden nach Jhenaigati. Dort angekommen, werde ich von den Mädchen aus dem Schülerinnenheim und dem lokalen Team herzlich mit Blumen empfangen. Es ist ein schönes Gefühl, die Menschen kennenzulernen, die unsere Projekte erst möglich machen – vom regionalen Koordinator bis zur Schneiderei-Trainerin.

Ein zweiter Stock für das Schülerinnenheim

Eine besonders gute Nachricht: Das Schülerinnenheim wird in den kommenden Monaten aufgestockt. So können wir noch mehr Mädchen einen sicheren Wohnort bieten, während sie ihre Schulbildung abschließen. Die Heimplätze werden von unseren Patinnen und Paten finanziert. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Erste Einblicke in die Ausbildungs-Schneiderei, das Computertraining und das Student:innen-Wohnheim

Mit Kühen zum eigenen Einkommen

Es geht weiter, tiefer hinein ins Land und in Richtung indischer Grenze, bis man sie schließlich sehen kann. Wir besuchen ein bereits länger bestehendes einkommensschaffendes Projekt. Das Prinzip ist einfach: Jede Familie erhält kostenlos eine Kuh, um die sie sich einige Monate kümmert. Wenn die Tiere später mit Gewinn weiterverkauft werden, wird der Erlös zwischen den Familien und SONNE aufgeteilt. Von diesem Anteil können wiederum neue Kühe gekauft werden – ein nachhaltiger Kreislauf.

  • Eine Frau streichelt eine Kuh, projektbesuch bangladesch Schule Gesundheit

Die Kühe werden von den Menschen gut behandelt

Medizinische Grundversorgung durch mobile Gesundheitsstationen

Unsere nächste Station ist eines der mobilen Gesundheitscamps. Das Gesundheitsteam – bestehend aus einem Arzt, einem Apotheker, einer Hebamme und einer medizinischen Fachangestellten – betreut rotierend sechs unterschiedliche Stationen, jeweils an einem Tag in der Woche. Die Hauptzielgruppe sind schwangere Frauen, Mütter und ihre Babys.

Die medizinische Versorgung ist in dieser Gegend äußerst schwach ausgebaut. Oft ist unsere mobile Gesundheitsstation für die Menschen die einzige Möglichkeit, überhaupt ärztlich untersucht zu werden oder Medikamente zu erhalten. Zusätzlich gibt es für Mütter und Neugeborene ein Starterpaket mit elementaren Dingen wie Seife, einer kleinen Waschwanne und Lebensmitteln. Hier zeigt sich deutlich, wie dringend diese Angebote gebraucht werden.

Blick in die SONNE Gesundheitsstation in Jhenaigati

Unsere SONNE-Schulen in Bangladesch

Am nächsten Morgen besuchen wir einige ausgewählte Dorfschulen. Die holprigen Wege machen sofort klar: Diese Dörfer liegen so abgelegen, dass viele Kinder ohne unsere SONNE-Schulen keinen Zugang zu formaler Bildung hätten. Auch hier ist die Gastfreundschaft überwältigend. Inmitten des bunten Treibens aus Kindern, Kollegium und Dorfgemeinschaft werde ich wie ein lang ersehnter Ehrengast empfangen.

Noch mehr beeindruckt mich das große Engagement aller Lehrer:innen, die unter oft einfachsten Bedingungen jeden Tag dafür sorgen, dass diese Kinder eine echte Bildungschance erhalten.

Die Reise geht weiter: nach Cox’s Bazar

Schon ist unsere Zeit in Jhenaigati vorbei und wir machen uns auf den Weg in den Süden nach Cox’s Bazar. Dort wird auch Erfried zu uns stoßen. Gemeinsam werden wir unser neues Berufsbildungsprojekt im Rohingya-Flüchtlingscamp besuchen und später auch die Manta Community in Bhola treffen.

  • Kinder im Rohimgya Camp

Kinderleben im größten Flüchtlingscamp der Welt

Zwischenziel: Cox’s Bazar

Erfried ist in der Zwischenzeit gut in Bangladesch angekommen! Nach einigen Tagen im Norden, geht es nun in Richtung Süden zum Meer und nach Cox’s Bazar. Dort im Größten Flüchtlingscamp der Welt sitzen über 1,5 Million Menschen seit 2017 fest.

Viele Kinder, denen ich hier begegne, sind über 10 Jahre alt und haben ihr ganzes Leben nichts anderes gesehen als das Innere dieses Camps. In diesem riesigen Areal herrscht überall eine vor Hitze und Perspektivenlosigkeit drückende Stimmung, die sich kaum in Worte fassen lässt. Aber dennoch haben sich die Menschen hier einen Alltag aufgebaut. Es gibt sogar kleine Shops, in denen Snacks, Obst und andere Dinge des täglichen bedarfs verkauft werden.

Die SONNE-Berufsausbildungsprojekte ist oft die einzige Beschäftigung für die Bewohner:innen des Camps

Berufsbildung im Rohingya Flüchtlingscamp

Unser Ziel ist der Camp-Teil 8E, in dem SONNE seit einigen Monaten ein Berufsbildungsprojekt für Jugendliche betreibt. In jeweils 6-monatigen Kursen können Skills wie Schneiderei, Weberei oder Handy- und Solarreparatur gelernt werden. Der Andrang ist groß, denn die Kurse sind eine willkommene Abwechslung zum tristen Alltag.

Mit dem neuen Wissen schaffen wir die Möglichkeit, dass sich diese jungen Menschen in Zukunft ein eigenes Einkommen sichern können. Zwar dürfen sie außerhalb des Flüchtlingslagers keiner Arbeit nachgehen, aber auch hier im Camp 8E haben viele ein Handy oder eine kleine, tragbare Solaranlage.

In der SONNE Gesundheitsstation

Mobile Gesundheitsstationen für die Host-Community

Danach geht es schon wieder raus aus dem Camp in Richtung Ukhiya, der Gemeinde, die ganz in der Nähe des Camps ist. Auch die hier ansässige bengalische Gesellschaft ist von hoher Armut und mangelnder Versorgung betroffen.

Aus diesem Grund bieten wir auch hier dieselben Ausbildungen an, wie im Flüchtlingslager. Zusätzlich betreiben wir hier eine mobile Gesundheitsstation, die an sechs Tagen die Woche an sechs Orten stationiert ist.

Nächster Halt – Die Community der Mantas auf Bhola

So schnell diese Besuche auch wieder vorbei sind, so lange bleiben diese Eindrücke in meinen Gedanken hängen. Ich bin nachhaltig beeindruckt von dem, was unsere lokalen Teams jeden Tag leisten und unter welchen Bedingungen dies oft geschieht.

Nun geht es schon wieder weiter in Richtung Bhola… aber davor steht uns noch eine 10-Stündige Autofahrt bevor.