Mit Tablets im Koffer nach Indien und mit vielen Eindrücken zurück
Eine Woche im indischen Bihar, ein neues Gesundheitsprojekt und jede Menge Begegnungen: Unsere Sabine war zum ersten Mal in unserem Projektgebiet rund um Bodhgaya unterwegs. Im Gepäck: Tablets, ein voller Terminkalender und viel Vorfreude. Hier erzählt sie, was sie erlebt hat …
Endlich vor Ort! Sabine mit unserem indischen Team vor der Gesundheitsstation in Basadhi.
Endlich Indien!
Auch wenn ich schon öfter in Indien war, die SONNE-Projekte und die Region, wo wir tätig sind, habe ich noch nie besucht. Es wurde also Zeit. Eine Woche lang ging es für mich nach Bihar, einen der ärmsten Bundesstaaten Indiens. Genauer gesagt nach Bodhgaya und in die umliegenden Dörfer, wo SONNE-International seit 2012 gemeinsam mit unserer lokalen Partnerorganisation, der Buddha Educational Foundation (BEF), Bildungs- und Gesundheitsprojekte umsetzt.
Der Hauptgrund meiner Reise: Unser neues, dreijähriges Gesundheitsprojekt „Gesundheit für alle“ steht in den Startlöchern. Und weil zu einem guten Projekt nicht nur eine gute Idee und die Finanzierung, sondern auch eine ordentliche Umsetzung gehört, standen diesmal vor allem Projektplanung, Monitoring und Digitalisierung auf meinem Programm.
Gesundheit darf kein Luxus sein
Dank der soeben gestarteten Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung – einem langjährigen Partner von SONNE-International – können wir unsere Gesundheitsarbeit in Bihar in den kommenden drei Jahren deutlich ausbauen. Rund 24.800 Menschen in Basadhi und den umliegenden Dörfern sollen dadurch Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung erhalten.
Warum das so wichtig ist, wird vor Ort schnell klar. Viele Familien leben von der Landwirtschaft oder verdienen als Tagelöhner auf den Feldern und in einer nahen Ziegelfabrik gerade genug, um über die Runden zu kommen. Wenn jemand krank wird, ist das nicht nur gesundheitlich, sondern oft auch finanziell eine Katastrophe. Ein Arztbesuch, Medikamente oder gar ein Krankenhausaufenthalt sind für viele schlicht nicht leistbar.
Unsere bestehende Gesundheitsstation in Basadhi ist das Zentrum des Projekts. Ein Hausarzt, eine Gynäkologin und eine Krankenschwester kümmern sich um die Patient:innen. Die Behandlung ist kostenlos. Eine eigene Apotheke gibt es auch, sodass die notwendigen Medikamente direkt vor Ort verfügbar sind.
Doch nicht alle Menschen können zur Gesundheitsstation kommen. Deshalb wird unser medizinisches Team nun auch regelmäßig mit mobilen Gesundheitscamps in drei weitere Dörfer fahren. Zusätzlich sind eine Ambulanz für Notfälle und eine rund um die Uhr erreichbare Hotline vorgesehen.
Unser Ziel ist eigentlich ganz einfach: Niemand sollte auf medizinische Hilfe verzichten müssen, nur weil das Geld fehlt oder der nächste Arzt zu weit entfernt ist.
Unsere Gesundheitsstation in Basadhi ist die erste Anlaufstelle für viele Familien in der Region. Bei der Apothekerin gibt es Medikamente.
Tablets statt Papierberge
Ein paar kleine Reisebegleiter hatte ich diesmal auch dabei: Tablets!
Neben der Projektplanung ging es bei meinem Besuch vor allem darum, unser Monitoring und Datenmanagement auf neue Beine zu stellen. Bisher wurden Patientenakten, Medikamentenbestände und viele andere Informationen händisch dokumentiert. Das funktioniert zwar, kostet aber enorm viel Zeit und macht eine systematische Auswertung ziemlich mühsam.
Was mich dabei einmal mehr beeindruckt hat, ist, wie weit Indien technologisch entwickelt ist. Während man in den ländlichen Dörfern oft das Gefühl hat, in einer ganz anderen Welt zu sein, funktioniert das mobile Internet selbst in entlegenen Gegenden erstaunlich gut – teilweise besser als bei uns in Österreich. Und mit Bangalore hat Indien schließlich auch sein eigenes Silicon Valley.
Eine passende Software für das gesamte Patient:innenmanagement war schnell gefunden, natürlich made in India. Nach einem ersten Online-Meeting und einer Einschulung mit dem Team konnten wir bereits die nächsten Schritte einleiten.
Künftig sollen Krankengeschichten digital dokumentiert, Behandlungen besser nachverfolgt und auch die Medikamentenbestände der Apotheke elektronisch verwaltet werden.
Das klingt vielleicht nicht besonders aufregend, ist aber ein riesiger Schritt für unsere Gesundheitsarbeit. Denn bessere Daten bedeuten nicht nur bessere Berichte für unsere Fördergeber, sondern vor allem auch bessere medizinische Versorgung für unsere Patient:innen.
Und ganz nebenbei bleibt unserem Team hoffentlich mehr Zeit für das, worum es eigentlich geht: die Menschen.
Software-Schulung: Gemeinsam mit unserem Team stellen wir das Patientenmanagement auf neue Beine.
Von Gesundheitsdaten zu Karate-Champions
Natürlich konnte ich nicht nach Bihar reisen, ohne auch unsere SONNE-Schulen zu besuchen!
Und was soll ich sagen: volle Klassenzimmer, motivierte Lehrer:innen und jede Menge Energie. Es ist einfach schön zu sehen, mit wie viel Engagement hier unterrichtet wird und welche Möglichkeiten die Kinder durch unsere Bildungsangebote bekommen.
Mein persönliches Highlight war aber definitiv das Karatetraining unserer Mädchen.
Rund 100 Schülerinnen trainieren regelmäßig Karate und Selbstverteidigung. Und spätestens nach ein paar Minuten Zuschauen war mir klar, warum im Büro unseres Teams so viele Pokale stehen!
Mit welcher Konzentration, Disziplin und gleichzeitig Freude die Mädchen trainieren, ist wirklich beeindruckend. Vor allem aber geht es um viel mehr als Sport: Die Mädchen lernen, sich etwas zuzutrauen, für sich einzustehen und selbstbewusst aufzutreten. Gerade in einem Umfeld, in dem Mädchen oft noch deutlich weniger Möglichkeiten haben als Buben, ist das unglaublich wertvoll.
Unsere Karate-Girls in Aktion! Hier werden nicht nur Techniken, sondern auch Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen trainiert.
Auch in unserer Schule tut sich einiges
Der erste Stock wird gerade ausgebaut, um zwei zusätzliche Klassenzimmerzu schaffen. Damit können künftig noch mehr Kinder bei uns lernen und ihre Schulbildung bis zur Mittelschule fortsetzen. Eine neue Überdachung schafft außerdem zusätzlichen geschützten Raum für Unterricht und Aktivitäten.
Es geht also ordentlich voran!
Unsere Schule wächst: Hier entsteht ein neues Klassenzimmer.
Die ersten Eindrücke von der Schulerweiterungs-Baustelle
Ein Blick hinter die Projektzahlen
Ein besonders spannender Teil meiner Woche waren die Hausbesuche in den umliegenden Dörfern.
Gemeinsam mit unserem lokalen Team haben wir erste Interviews für die Baseline-Studie unseres neuen Gesundheitsprojekts gemacht. Dabei erheben wir zu Projektbeginn wichtige Informationen über die gesundheitliche Situation und den Zugang zu medizinischer Versorgung. So können wir später auch tatsächlich messen, was sich durch unsere Arbeit verändert hat.
Aber noch besser, man kommt mit den Menschen ins Gespräch, sieht, wie Familien leben und bekommt ein ganz anderes Verständnis für ihren Alltag.
Zu Besuch bei Familien in Basadhi: Gemeinsam mit unserem Team testen wir die Befragung für unsere Baseline-Studie.
Zwischen goldenen Tempeln und einem ganz anderen Alltag
Bodhgaya selbst ist ein faszinierender Ort. Hier soll Buddha unter dem Bodhi-Baum seine Erleuchtung erlangt haben. Heute reisen Buddhisten und Pilger aus aller Welt hierher. Prächtige Tempel, goldene Dächer, Menschen aus unterschiedlichsten Ländern – eine ganz besondere Atmosphäre.
Und nur wenige Kilometer weiter sieht der Alltag völlig anders aus.
Dort leben Familien unter einfachsten Bedingungen, viele ohne ausreichenden Zugang zu Gesundheitsversorgung oder guter Bildung. Der Kontrast ist eklatant!
Was mir von dieser Woche aber besonders in Erinnerung bleiben wird, ist unser großartiges Team vor Ort. Mit wie viel Engagement, Herzlichkeit und Pragmatismus hier gearbeitet wird, hat mich wirklich beeindruckt. Und auch, wie offen alle für neue Ideen und Veränderungen sind.
Ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch und vor allem darauf, zu sehen, wie sich unser neues Gesundheitsprojekt weiterentwickelt.
Denn eines ist nach dieser Woche noch klarer: „Gesundheit für alle“ ist hier nicht nur ein schöner Projekttitel, sondern wird dringend gebraucht.
Eure Sabine ☀️











