Mehr als Baobabs und Lemuren: SONNE-International startet erste Projekte in Madagaskar

Madagaskar verbinden viele Menschen mit einer einzigartigen Natur, beeindruckenden Baobab-Bäumen und Lemuren. Doch hinter dieser faszinierenden Kulisse steht auch eine Realität, die weniger sichtbar ist: Viele Familien leben in großer Armut und für zahlreiche Kinder ist selbst der Abschluss der Grundschule keine Selbstverständlichkeit.

Nur etwa jedes zweite Kind in Madagaskar schließt die Grundschule erfolgreich ab. Genau deshalb haben wir von SONNE-International begonnen, uns intensiver mit dem Land auseinanderzusetzen.

Doch bevor wir neue Projekte starten, wollten wir vor allem eines tun: zuhören …

  • Straßenkinder in Madagaskar

Für viele Kinder auf den Straßen Madagaskars endet der Schulweg viel zu früh

Zwei Wochen zuhören, beobachten und lernen

Im Mai 2026 reisten unser Obmann Erfried Malle und unser Obmann-Stellvertreter Armin Mösinger nach Madagaskar, um eine umfassende Bedarfsanalyse durchzuführen und mögliche lokale Partner persönlich kennenzulernen.

In diesem Radiointerview erfahren Sie wie Armin diese Reise erlebt hat:

Bei ihrer Reise ging es bewusst nicht darum, bereits fertige Projektideen aus Österreich mitzubringen. Wir wollten verstehen, wo die größten Herausforderungen liegen, welche lokalen Strukturen bereits bestehen und wo SONNE-International mit seiner Erfahrung sinnvoll unterstützen kann.

Eine besondere Begegnung war dabei das Gespräch mit der Bildungsministerin von Madagaskar. Gemeinsam konnten wir mehr über die Bildungsstrategie des Landes, bestehende Herausforderungen und zukünftige Schwerpunkte erfahren.

Unser Ansatz: Bestehende Strukturen stärken

Darüber hinaus führten wir zahlreiche Gespräche mit lokalen NGOs, Schuldirektor:innen, Dorfverantwortlichen und Familien. Besonders wichtig war auch die Zusammenarbeit mit Johannes und Louisia Rauter, die seit vielen Jahren in Madagaskar leben und über ein starkes lokales Netzwerk verfügen.

Nach den Gesprächen vor Ort wurde schnell klar, welchen Weg wir einschlagen möchten.

Wir wollen in Madagaskar keine unnötigen Parallelstrukturen schaffen. Stattdessen möchten wir bestehende Schulen und engagierte lokale Organisationen gezielt stärken.

Aus den Bedarfsanalysen sind inzwischen die ersten beiden konkreten Kooperationen in Antsirabe und Morondava entstanden.

Damit beginnt für SONNE-International ein neues Länderprogramm, das wir bewusst Schritt für Schritt entwickeln möchten.

Impressionen der Menschen und Lebensbedingungen in Madagaskar

Antsirabe: Bildung und medizinische Hilfe

In Antsirabe arbeiten wir mit der lokalen Organisation Association MIAHY SY MIZARA zusammen.

Gemeinsam unterstützen wir eine bestehende Schule, die Kindern aus sozial benachteiligten Familien Zugang zu Bildung ermöglicht.

Gleichzeitig haben wir einen SONNE-Notfallfonds eingerichtet. Denn bei unseren Besuchen wurde deutlich, dass Armut nicht nur darüber entscheidet, ob ein Kind zur Schule gehen kann. Sie entscheidet manchmal auch darüber, ob eine notwendige medizinische Behandlung möglich ist.

Wie unmittelbar eine solche Unterstützung wirken kann, zeigte uns bereits eine der ersten Begegnungen.

  • MIAHY SY MIZARA Team und Kinder in Antsirabe Madagaskar vor der Schule

Dank einer Begegnung kann Mirado wieder gehen

Während eines Besuchs bei mehreren Familien lernte Armin gemeinsam mit unserer Partnerorganisation den kleinen Mirado kennen.

Mirado hatte bei einem Unfall eine schwere Verletzung erlitten. In seinem Bein befand sich noch ein Nagel, der in einer weiteren Operation entfernt werden musste. Doch die Kosten dafür entsprachen ungefähr dem Sechsfachen dessen, was seiner Familie in einem Monat zur Verfügung stand. Für seine Mutter war die notwendige Operation deshalb schlicht nicht finanzierbar.

Wenige Tage später kam es zu einer besonderen Begegnung. In einem Restaurant lernte Armin einen Reisenden aus den Niederlanden kennen. Dieser interessierte sich für die Arbeit von SONNE-International und fragte nach den Menschen und Projekten, die Armin während seiner Reise kennengelernt hatte. Dabei erzählte er auch von Mirado.

Die Geschichte ließ den Mann nicht los – und er entschied spontan, die Kosten für die Operation zu übernehmen. Unsere Partnerorganisation organisierte anschließend die Behandlung.

Die Operation verlief erfolgreich. Mirado kann heute wieder gehen.

Manchmal braucht es keine riesigen Programme, um das Leben eines Menschen entscheidend zu verändern. Manchmal treffen zur richtigen Zeit einfach die richtigen Menschen aufeinander.

Diese Geschichte hat uns zugleich gezeigt, wie wichtig ein lokaler Notfallfonds sein kann. Er ermöglicht uns, auch künftig Familien in akuten medizinischen Situationen gezielt zu unterstützen.

Morondava: Bildung unter den Baobabs

Auch in Morondava haben wir begonnen, eine bestehende Schule zu unterstützen.

Viele Familien verfügen nur über sehr geringe finanzielle Möglichkeiten. Schulmaterialien, Uniformen und ein regelmäßiger Schulbesuch können deshalb bereits eine erhebliche Belastung darstellen.

Unsere Unterstützung trägt dazu bei, den laufenden Schulbetrieb zu sichern und die Lernbedingungen für die Kinder zu verbessern.

Bereits zu Beginn unseres Engagements konnten wir die Finanzierung von rund 300 Schuluniformen ermöglichen.

Für die Kinder bedeutet eine Uniform dabei weit mehr als ein Kleidungsstück. Sie kann eine Voraussetzung dafür sein, regelmäßig die Schule zu besuchen und damit überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können.

SONNE-Madagascar entsteht

Ein weiterer wichtiger Schritt ist bereits in Vorbereitung. Gemeinsam mit Johannes Rauter und seiner Frau Louisia sind wir derzeit dabei, SONNE-Madagascar zu gründen.

Johannes lebt seit vielen Jahren in Madagaskar und kennt die lokalen Gegebenheiten, Netzwerke und Herausforderungen sehr gut.

Mit SONNE-Madagascar möchten wir langfristig eine verlässliche lokale Struktur schaffen, unsere Projekte direkt vor Ort begleiten und gemeinsam mit Partnerorganisationen neue Initiativen entwickeln.

Dabei bleibt unser Ansatz derselbe: nicht möglichst schnell wachsen, sondern verantwortungsvoll und gemeinsam mit den Menschen vor Ort.

  • Armin und Johann von unseren Madagaskar Partnern

Ein neues Kapitel für SONNE-International

Madagaskar ist für uns ein neues Projektland. Doch unsere Grundhaltung bleibt unverändert.

Bevor wir handeln, wollen wir verstehen. Bevor wir neue Strukturen schaffen, wollen wir sehen, was bereits funktioniert. Und bevor wir über Wirkung sprechen, möchten wir die Menschen kennenlernen, um die es geht.

Unsere ersten Projekte in Antsirabe und Morondava sind deshalb bewusst der Anfang eines langfristigen Prozesses.

Und vielleicht zeigt gerade die Geschichte von Mirado am besten, worum es uns dabei geht:

Hinter jeder Statistik steht ein Mensch. Hinter jeder Projektidee steht eine konkrete Lebensrealität. Und manchmal kann gezielte Unterstützung einen Unterschied machen, der ein ganzes Leben verändert.