Analyse und Problemstellung

MyanmarKampagne

Seit ein paar Jahren ist Myanmar im politischen Umschwung und öffnet sich nach außen. Die ehemalige Militärdiktatur hat sich zu einer Demokratie entwickelt, das Land hat sich wirtschaftlich und politisch geöffnet. Es braucht jedoch noch viel Zeit, die Schäden, die während der Zeit der Militärdiktatur (fast 60 Jahre) verursacht wurden, zu beheben. Nach wie vor sind die ehemaligen Militärs in politischen Entscheidungen involviert, sie haben sich ihre Zukunft durch die in der Verfassung niedergeschriebenen fixen Parlamentssitze schon vorab langfristig gesichert. Die kriegerischen Auseinandersetzungen in den Randgebieten des Landes werden ohne allzu große öffentliche Aufmerksamkeit kontinuierlich weitergeführt. Die Sorgen der Bevölkerung sind allerdings groß, dass die Diktatur zurückkommt oder dass die neuen Entwicklungspläne die armen Dorfregionen nicht berücksichtigt. Vor allem die ärmste, hungrige und einkommenslose Bevölkerungsschicht, die im politischen Umschwung viel Hoffnung gesehen hat, stellt nun immer mehr in Frage, ob und wann auch sie etwas von den positiven Veränderungen mitbekommen wird.

Myanmar entwickelt sich zu einer Turbo-Marktwirtschaft. Ein enormer Ansturm von internationalen Unternehmen hat eingesetzt, was die Preise in allen Sektoren und auf allen Ebenen in die Höhe getrieben hat. Nutznießer dieser rasanten Entwicklung sind vor allem die Eliten des wirtschaftlichen und politischen Lebens und die internationalen Großinvestoren, jedoch nicht die einfache Bevölkerung. Die Lebensmittel- und die allgemeinen Lebenshaltungskosten stiegen zum Teil um ein Mehrfaches. Das internationale Interesse an Myanmar ist sehr groß geworden. Doch diese rasante Entwicklung hat ihren Preis. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist so groß wie noch nie; die Aussichtslosigkeit der armen Bevölkerung ist weiterhin erschreckend. Trotz dieser gegenwärtigen Entwicklung darf nicht vergessen werden, dass Myanmar noch immer zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gehört und an der 148. Stelle des Human Development Index (HDI) gelistet ist.

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Die oben beschrieben Situation hat einige Probleme verstärkt, wie etwa das Phänomen der Straßenkinder oder auch die illegale Besiedelung in Form von Slums am Stadtrand und auf freien Flächen. Die Vulnerabilität von Straßenkindern ist sehr hoch.  Vor allem Mädchen oder auch Kinder mit Behinderungen erfahren multiple Marginalisierungen. Aufgrund schwieriger familiärer Situationen laufen Kinder von ihrem Zuhause weg und leben auf der Straße. In vielen Fällen haben die Eltern nicht die finanziellen Mittel, ihre Kinder in eine öffentliche Schule  zu senden. Abgesehen von den Kosten, die beim Schulbesuch entstehen, verlieren die Familien das zusätzliche Haushaltseinkommen, das oftmals von den Kindern durch kleine Arbeiten auf der Straße (v.a. Betteln, Müllsammeln) dazuverdient wird. Viele Familien sehen sich daher gezwungen, ihre Kinder auf die Straße zu schicken.

Aufgrund weiterhin anhaltenden unzähligen kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb des Landes, vor allem in den grenznahen Regionen, und den daraus resultierenden nationalen Flüchtlingsströmen (IDPs-Internal Displaced People) kommt es unter den Minderheiten des Landes zu einer verstärkten Landflucht aus den krisenreichen ländlichen Regionen in Richtung Yangon bzw. in die großen Städte Myanmars. Die meisten dieser Land- und Kriegsflüchtlinge haben in den großen Vororten der Städte Zuflucht gefunden, wo slumähnliche Zentren entstanden. In diesen Regionen ist die Armut und Perspektivenlosigkeit sehr groß und äußert sich in Drogen- und Alkoholsucht, Obdachlosigkeit, familiärer Gewalt und Prostitution. Dabei handelt es sich sehr oft um Haushalte mit nur einem (zumeist komplett) überforderten Elternteil. In der Regel sind dies Alleinerzieherinnen mit mehreren Kindern. Formelle Bildung ist zwar seit 2016 rein theoretisch kostenlos, jedoch scheitert es neben den laufenden Kosten (u.a. Schulmaterial, Uniform, Essen, etc.) oft daran, dass die Kinder keine Geburtsurkunden besitzen und ihnen somit die rechtliche Voraussetzung zur Schuleinschreibung fehlt. In Yangon und Umgebung gibt es noch sehr viele Straßenkinder und es fehlt an Initiativen der Regierung, diese zu fördern und in die Gesellschaft zu integrieren.