Afar 2016 – der tägliche Kampf ums Überleben geht weiter…

Diesmal treffe ich mit recht gemischten Gefühlen in Äthiopien ein. Die Nachrichten der vergangenen Wochen waren nicht gerade erfreulich – Unruhen und Proteste gegen die Regierung vor Allem südlich von Addis Abeba in der Oromiya-Region und auch in Bahir Dar, der nördlich gelegenen Hauptstadt der Region Amhara lassen mich Schlimmes erwarten. Seit etwa 6 Wochen gilt eine nationale Notstandsverordnung und nur eine Neubesetzung einiger Regierungsämter konnte die Lage ein wenig beruhigen. Zusätzlich gab es in unserer Projektregion Afar, im nördlichen Tiefland, einen Tag nach meinem letzten Besuch wieder einen Zusammenstoß militärischer Einheiten aus Äthiopien und Eritrea mit tödlichen Verlusten auf beiden Seiten.

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Viel Sport und ein „heißer Ofen“

Es tut sich mal wieder so einiges im Dorf der Taifun-Opfer auf Leyte!

Da hier gerade Schulferien bzw. Sommerpause ist, hat sich der Koordinator und Obmann der Siedlungsgemeinschaft und Lehrer im Zivilberuf, Sir Adolpho ,,Totoung“ Raga, alias „Cupido“ (siehe frühere Einträge), etwas Besonderes einfallen lassen. Wenn schon gerade keine Schule ist und zu wenig soziale Aktivitäten für die Kinder und Jugendlichen stattfinden, dann initiiert man halt ein Sportfestival. Lehrer! Die sind halt so gestrickt.

Als cleverer Projektverantwortlicher für die Sozialisierung der Gemeinde kümmerte er sich aber weitestgehend nur um die Finanzierung, die sich teilweise aus Spenden von Honoratioren der Stadt Burauen und teilweise aus den eigenen kleinen Börsen unserer Siedler zusammensetzte, und die Eckpunkte der logistischen und organisatorischen Erfordernisse. Die tatsächliche Ausführung und Inszenierung des Festivals überlies er aber unserer knapp 1 Monat alten Jugendorganisation, mit ihm als versteckt agierender „Glucke“ im Hintergrund. Allerdings musste er kaum eingreifen, denn was die Mädels und Jungs aufgestellt haben, kann sich wirklich sehen lassen!

Allerdings haben auch die Erwachsenen ihren Teil dazu beigetragen. Ursprünglich war ein „half court“ Basketballturnier geplant, aber die Eltern unserer Jugendlichen – sportbegeistert wie sie nun mal sind – haben sofort begonnen, aus eigenen Mitteln ein zweites Gerüst für einen Korb zu bauen, zu lackieren und den Platz für ein Großfeld nach internationalen Maßen vorzubereiten.

Ein Sportereignis wie unser „Mary Mediatrix Grace of All BEC Village – Summer Sport Games 2015“ schreit natürlich geradezu nach einer Parade. Daher gab es einen 2-stündigen Marsch durch die ganze Stadt – und das mit einer Zuglänge von beinahe 1 km, denn niemand wollte dabei fehlen.

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Anschließend eine Fahnen-Parade und Show-Einlagen der Cheerleader und Fans und dann natürlich die Wettkämpfe in Basketball – DER Breitensport auf den Philippinen – und natürlich auch Volleyball.

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Sportler zeigen Flagge

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Basketball ist der beliebteste Breitensport auf den Philippinen…

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…und wird sehr ernst genommen – siehe Luftkampf!

Anschließend eine Fahnen-Parade und Show-Einlagen der Cheerleader und Fans und dann natürlich die Wettkämpfe in Basketball – DER Breitensport auf den Philippinen – und natürlich auch Volleyball.

Und wer mich kennt, weiß, dass ich bei Volleyball nicht zu halten bin und NATÜRLICH habe ich mit einer eigenen Mannschaft außer Konkurrenz an den Spielen teilgenommen – und NATÜRLICH ging das bei mir wie üblich nicht ohne ein „paar Kratzer“; gehört dazu und den Spaß war es auf jeden Fall wert!

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Bin halt immer noch ein „Freak on Wolle-Ball“

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Ich bevorzuge Volleyball – wie die Frauen aus unserem Dorf

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…und den hab ich auch noch gekriegt – nix verlernt!

Die Finali werden 2 Wochen später ausgetragen – am Hauptplatz von Burauen! Das haben wir unserem Bauingenieur, Eng. David Alcober zu verdanken, der im Gemeinderat sitzt und nicht nur für die baulichen Ausführungen verantwortlich ist, sondern auch alles dafür tut, dass unser Programm in der Stadt positiv wahrgenommen wird.

Warum ist das sooo wichtig? Sport ist unheimlich wichtig für den Aufbau einer Gesellschaft – wie in einer Keimzelle in einem Labor entstehen dieselben Konstellationen, wie im „wahren Leben“ auf spielerische Art und Weise und abseits des täglichen Stresses, Arbeit zu finden und die Familie zu ernähren. Sport schafft Selbstbewusstsein und gerade die Parade und der gemeinsame Auftritt am Hauptplatz bedeuten auch, dass sich unsere Junggemeinde in der Stadt präsentieren kann und sich auf breiterer Basis Anerkennung erarbeiten kann. Und genau das ist es, was SONNE-International auch in anderen Projekten mit Sport anstrebt!

Ach ja, warum 14 Tage Pause bis zum Finale? Ganz einfach: einer der Nationalhelden der Philippinen; Manny Pacquiao boxt gegen Floyd Mayweather um Weltmeistertitel dreier verschiedener Verbände – und das geht nun mal vor! Sport rules everything…

Aber auch arbeitsmäßig haben wir wieder einige entscheidende Fortschritte gemacht. Dabei seien insbesondere die Beschlüsse inklusive Entwicklung dreier Trainings für unsere Siedler zu nennen. Diese Trainings sind:

  • „Erste Hilfe“ Kurs für je eine/n Freiwilligen je Haus-Cluster (7 Häuser) plus 3 Teilnehmer aus der Jugendorganisation = 25 TeilnehmerInnen.
  • „Hygiene-Promotion“ Kurs für je eine/n Freiwilligen je Haus-Cluster plus 3 Teilnehmer aus der Jugendorganisation = 25 TeilnehmerInnen.
  • „Mülltrennung und -entsorgung bzw. Abfallwirtschaft“ Kurs für je eine/n Freiwilligen je Haus-Cluster plus 3 Teilnehmer aus der Jugendorganisation = 25 TeilnehmerInnen.

UND natürlich nicht zuletzt unser „heißer Ofen“! Nein, nein – ausnahmsweise kein Motorrad, sondern ein raucharmer Herd zum Kochen und Backen. Er verbraucht deutlich weniger Feuerholz als die herkömmlichen Feuerstellen der Siedler und schützt die KöchInnen vor ungesundem Rauch, der zu schweren Augen- und Atemwegserkrankungen führen kann.

Ein solcher Ofen war von SONNE-International von Anfang an geplant. Was aber nicht geplant war, ist, dass wir ihn nicht durch eine externe Werkstatt fertigen lassen, sondern unseren eigenen Betrieb hier in der Siedlung gründen, in dem er hergestellt werden soll. Dazu bilden wir einige Leute aus unserem Dorf aus, die in weiterer Folge eigenständig eine Werkstatt führen werden – natürlich mit Hilfe von uns und unserem Partner LASAC. Das ist eine große Herausforderung für alle und hat schließlich dazu geführt, dass ich meinen Aufenthalt um 2 -3 Wochen verlängern werde, um möglichst viel meines Wissens über Fertigung- und Betriebstechnik zu vermitteln, denn nicht zuletzt stammen Entwicklung und Konstruktion dieses Ofens aus meiner Hand bzw. aus meinem Hirn.

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Project-Management on the march – mit geistlicher Unterstützung von den Philippinen…

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…und vor allem natürlich finanzieller Unterstützung aus Österreich!

Erfreulich und wichtig für das weitere Bestehen dieser Werkstatt ist, unter anderem, das große Interesse an unserem Ofen – und nicht nur in der Siedlung sondern auch bei privaten Haushalten in Burauen und bei anderen Organisationen, die ähnlich Projekte in der Region betreiben und die Notwendigkeit eines solchen raucharmen Ofens erkannt haben. Immerhin haben uns bereits zwei große internationale NGOs besucht und ihr Interesse an unserem „Produkt“ bekundet.

Wir arbeiten derzeit bereits auf der einen Seite an einem Businessplan mit allen Details wie Registrierung eines Unternehmens, Rücklagendeckung, Rentensicherung und auf der anderen Seite an der Betriebseinrichtung mit allen Maschinen, Werkzeugen und Arbeitsschutzeinrichtungen. Und es macht ungeheuer Freude zu erleben, wie alle an einem Strang ziehen.

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Der „Erlkönig“ zum rauchfreien Ofen aus eigener Produktion wird vorgestellt…

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…und tags darauf sofort von unserer genialen „Chef-Köchin“ B.B. getestet!

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Das Ergebnis: eines der besten Abendessen, die ich je hatte!

Zugegeben, der „Erlkönig“ (siehe Foto) ist noch keine Schönheit und auch technisch werden wir noch ein paar Kleinigkeiten adaptieren, um ein möglichst kundenfreundliches Handling zu gewährleisten, aber das sind nur mehr Kleinigkeiten, denn eigentlich funktioniert der Ofen hervorragend und versorgt uns schon mit allerbestem Essen – auch dank B.B. unserer Chefköchin! Und darauf kommt´s bei einem Herd ja am Meisten an, oder?

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Hühnerfüße „Adobo“

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Tintenfisch in der eigenen Tinte…

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Das lukullische Gesamtkunstwerk

Eine Hochzeit und ein Krankheitsfall…

Nun ist es also doch mal passiert! Nach über zehn Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit und Ernährung nach dem Motto: „Ich sauf aus jedem Wasserloch und fresse alles, was nicht schnell genug weglaufen kann“, habe ich mir nun doch mal eine Lebensmittelvergiftung geholt. Anstelle meinen Freunden hier die Einkäufe zu überlassen, habe ich mir getrocknete und eingelegte Fische gekauft, die offensichtlich nicht ganz in Ordnung waren. Einer meiner Kollegen, der ein kleines Stück davon gekostet hat, spuckte es gleich wieder aus – nur da hatte ich schon einen ganzen Fisch verschlungen. Ergebnis: ein scheußlich juckender Nesselausschlag, Gliederschmerzen und Anschwellen meines Körpers auf Statur eines überfressenen Michelin-Männchens!

Hilfe fand ich bei einer Ärztin, die mir Medikamente verschrieb und…bei einem lokalen Medizinmann, genannt „Doctor Quack-Quack“ der mich mit Kokosnuss-Öl und Kräutern einrieb! Vier Tage später war ich wieder ganz der Alte (d.h. ich trinke und esse wieder alles – z.B. den schmackhaften Palm-Wein und erst gestern Abend Wasserbüffel-Hirn und Hühner-Füße, hmmmm!!!) Allerdings weiß ich immer noch nicht, welcher Behandlung ich eigentlich meine Gesundung verdanke – ist aber auch egal, oder?

Tatsächlich sind beide „Ärzte“ 81 Jahre alt und immer noch sehr energiegeladen. Das geht soweit, dass Doctor Quack-Quack, der durch den Taifun zum Witwer wurde, hier in unserer Siedlung eine neue Liebe gefunden hat und diese nun heiraten will. Er war ein wenig besorgt wegen seiner Familie und auch der seiner zukünftigen Frau – und nicht zuletzt auch der Zustimmung der Siedler. Deshalb bat er meinen Kollegen Totoung und Rat. Totoung , Lehrer an der örtlichen High-School und Vorsitzender der Siedlungsgemeinschaft, verbrachte daraufhin einen Tag damit, die Familien einander vorzustellen und deren Erlaubnis einzuholen – und ich glaube, er hatte jede Menge Spaß dabei! Ich nenn ihn seither nur mehr „Cupido“.

Sir Adolpho

Sir Adolpho, auch Cupido genannt!

Neben meiner krankheitsbedingt verringerten Arbeitsleistung sorgten auch die Osterfeiern dafür, dass ausnahmsweise ein bisschen weniger gearbeitet und dafür ein wenig mehr gefeiert wurde – und kaum wo anders wird Ostern so bunt und intensiv zelebriert wie hier auf den Philippinen.

Osterimpressionen 2

Osterimpressionen

Osterimpressionen 1

Osterimpressionen

Aber neben Krankheiten, Hochzeiten und Essen kommt natürlich auch die Arbeit nicht zu kurz – im Gegenteil, wo gute Beziehungen untereinander herrschen, macht auch die Arbeit Freude und manchmal wird bis spät in die Nacht hinein diskutiert, entworfen, umgeplant und beschlossen.

Als kurze Zusammenfassung: Seit meinem Eintreffen hier sind knapp 5 Wochen vergangen und wir haben seitdem:

  • eine Jugendorganisation in der Siedlung gegründet
Die neue Jugendorganisation

Die neue Jugendorganisation

  • erste Hilfe und Hygiene Trainings wurden gemeinsam mit den BewohnerInnen beschlossen, sie befinden sich gerade in Planung und sollen noch im April beginnen.
  • ein Werkstattgebäude angekauft (ein Nachbar hatte irrtümlicherweise auf unserem Grundstück gebaut. Wir wollten das Gebäude mitsamt seiner Einrichtung für Wasser und Sanitäranlagen nicht abreißen lassen und ein zusätzliches Gebäude für einen zukünftigen, im Dorf angesiedelten Betrieb stand sowieso auf unserem „Wunschzettel“ – wenn auch inoffiziell).
  • die Pläne für das Mehrzweckgebäude (Schulungen, Kindergarten, etc. sowie Evakuierungszentrum) entworfen. Der Bau sollte noch im April beginnen.
  • meine Pläne für den rauchfreien Herd fertig gemacht und die Werkstatt wird kommenden Montag mit der Fertigung des Prototyps beginnen und gleichzeitig zwei unserer Dorfbewohner in der Fertigung schulen – natürlich mit meiner Unterstützung und Aufsicht.
  • ALLE 50 Häuser begonnen zu bauen, der überwiegende Teil hat sogar schon Wände und Dächer!
Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden

Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden

Es läuft also alles bestens – so gut, dass ich mich im Anschluss an diesen Blog für heute Richtung Strand aufmachen kann.

Ein Platz zum Entspannen

Ein Platz zum Entspannen

Strand

In diesem Sinne : Grüße aus dem Süd-Pazifik,

Stippe

Riesen Schritte

…eine Gemeinde bewegt sich vorwärts – in eine bessere Zukunft!

Beeindruckend, wie die Gemeindeentwicklung bereits Früchte trägt! Das Montageteam des staatlichen Stromlieferanten kam, sah und…lehnte die Verteiler-Masten für die Oberleitungen ab. Meines Erachtens zu Recht, da sie aus Holz gefertigt waren und schon bei leichteren Stürmen knicken würden. Daher kam die Gemeinde zusammen, diskutierte das Problem und die Kosten für Strommasten aus Metall – immerhin auch fast 5.000,- Philippinische Peso, also etwas mehr als 200,- Peso pro Haushalt… Okay, das sind umgerechnet ja eh „nur“ € 4,-, aber bei einem Tagesverdienst von 180,- Peso ist das schon wieder ein anderer Betrag – vor allem, wenn man als Tagelöhner – und das sind die meisten hier nach der Zerstörung der Kokosindustrie durch den Taifun Haiyan, der hier Yolanda genannt wird – nie sicher ist, ob man auch morgen wieder eine Tagesnstellung findet. ABER…am Ende des Tages hatten sie das Geld beisammen! …und ja, ich bin auch ein Bewohner der Siedlung und habe auch meinen Beitrag dazu geleistet – natürlich ein bisschen mehr, aber vor allem nicht zu viel.

Stromarbeiten 3

Stromarbeiten im Dorf

Stromarbeiten

Die Strommasten

Ein paar Tage später kam dann der Direktor des lokalen Stromversorgers DURELCO und war so von der Initiative begeistert, dass er versprach für die Kosten aufzukommen und weitere Unterstützung für die Gemeinde zu leisten.

…und so hatten wir eine Woche später bereits die Eröffnungszeremonie der Stromversorgung und der Direktor bestätigte seine Aussage mit folgendem Nachsatz „…das übernehmen wir – ihr müsst dann eigentlich nur mehr die monatlichen Rechnungen zahlen – Bitte!“

Strom im Haus

Strom im Haus

Strom im Dorf

Strom im Dorf

Stromarbeiten 2

Häuser und Strom im Dorf

Ach ja, den „Schalter“ bei der Zeremonie umlegen… dazu wurde ich erwählt – natürlich nicht ohne, dass ich zuerst eine kleine Rede halten „durfte“. Eigentlich weiß ich nicht mehr so recht WAS genau ich gesagt habe; aber an den Schlusssatz erinnere ich mich dennoch, denn er kam spontan und emotional aus mir heraus: „…nicht heute, auch nicht morgen oder übermorgen, aber vielleicht in ein paar Monaten oder nächstes Jahr – spätestens aber in 3 Jahren soll Yolanda nur mehr eines für uns bedeuten; nämlich den eigentlichen Sinn: ein schöner Name für eine Frau oder ein Mädchen!“.

Eröffnungszeremonie 1

Eröffnungszeremonie

Licht an

Licht an!

Die Arbeit selbst läuft großartig und ich habe bereits mit der Konstruktion eines neuen Modells eines feuerholz-sparenden, rauchfreien Ofens begonnen, der den Wünschen der Leute entsprechend auch ein Backrohr enthalten wird. Es ist einfach großartig, wie viel Mitarbeit aus der Gemeinde selbst kommt und wie geschickt meine Kollegen die Menschen hier auf die richtigen Wege leiten.

Außerdem sind seit meinem Eintreffen vor 3 Wochen 18 neue Häuser gebaut worden; natürlich fehlt bei diesen noch die Sanitäranlage und die Senkgrube sowie Wasser und Stromanschluss, aber das wird alles bald folgen – keine Sorge.

Als nächstes steht dann ein Multifunktionsgebäude für Kindergarten, Schulungen und Gemeindetreffen zum Bau an. Da es auch als Evakuierungsgebäude im Notfall genutzt werden soll, muss es besonders stabil und sicher sein. Einen ersten Entwurf haben wir bereits und wenn alles glatt geht, kann der Bau bereits im April beginnen.

…und dann war dann noch dieser Abend, an dem ich ein echtes „Naturtalent“ kennen gelernt habe. Nach dem Taifun konnte er seinen psychischen Stress nur schwer bewältigen, bis er eine Lösung fand: er baute sich selbst eine Gitarre aus Bruch-Holz mit einer Kokosnusshälfte als Resonanzkörper und begann zu spielen und zu komponieren. Wo hat er das gelernt? NIRGENDS!!! Natürlich stammt er aus einer musisch begabten Familie, aber weder hat er ein Musikinstrument, noch je Notenlesen erlernt, aber sein Lied über Yolanda, den Taifun reißt hier die Gemeinde immer wieder zum Mitsingen hin. Mein Hausgenosse und ich haben ihn und seine Freunde eingeladen und einen lustigen Abend bei Kerzenlicht und Musik verbracht – natürlich auch mit Tuba, dem regionalen Wein, der aus Kokosnuss gewonnen wird und an dem ich zumindest nichts auszusetzen habe!

Ach ja, bin mittlerweile wieder motorisiert – wie gewohnt habe ich lokal ein Motorrad angemietet; eine RUSI 150 ccm. Nix da mit teurem Geländewagen – Stippe remains basic!

Motorrad

So long aus dem Süd-Pazifik!

Eine neue Adresse für Stippe

New address: Cluster 3, house 3; San Diego – Burauen, Leyte/Philippines

Philippinen also – mal ganz was anderes für den “Afrikaner”… Schon die Anreise macht den Unterschied deutlich. Anstelle von 7 – 12 Stunden Reisezeit sind es diesmal – mit 7,5 Stunden Aufenthalt in Abu Dhabi und einer Nacht in Manila gleich 2,5 Tage bis ins Projektgebiet. Und weil es schon fast so üblich ist, werde ich zwischen zwei Terminals von jemandem auf SONNE-International angesprochen – von Mag. Prinz von Weltbewegend , einem Reiseveranstalter und Unterstützer von SONNE . Leute, immer mehr Menschen kennen uns und das ist auch gut und wichtig so.

Good bye, Manila....small

Good bye Manila…

 

 

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…and hello, Leyte!

 

Ich war leider viel zu müde, um mir Manila näher anzusehen, aber man erkennt schnell, dass es weit fortgeschrittener ist, als die meisten afrikanischen Metropolen, auch wenn diese bereits gute Infrastrukturen aufweisen. WENN mich etwas an Afrika erinnert, dann ist es die im Bau befindliche Hochbahn, die NATÜRLICH von Chinesen gebaut wird; genau wie in Addis Abeba – mal sehen, wer schneller fertig ist…

So komme ich dann also in Burauen an; dem Ort an dem wir mit Finanzierung von RedCHAIRity und in Partnerschaft von LASAC, einer lokalen NGO, die von der Erzdiözese Lipa gegründet wurde, 50 Häuser für Opfer des Taifun Haiyan und ein Gemeindezentrum errichten werden.

Mein Auftrag hier wird es sein, die Arbeiten zu begleiten und bei der technischen Ausführung Unterstützung zu bieten, gleichzeitig Verbesserungen zum Vorgängerprojekt – LASAC hat bereits 100 ähnliche Wohneinheiten gebaut – auszuarbeiten und fast schon traditionell, einen rauchfreien Ofen entsprechend der Bedürfnisse der Bewohner zu konstruieren.

 

Mit Father Jazz vom Projektpartner LASAC small

Mit Father Jazz vom Projektpartner LASAC

Küche und Bad - my home is my castle!small

Küche und bad- my home is my castle!

Mein neues Zimmersmall

Mein neues Zimmer

 

Ach ja, das Vorgängerprojekt. Ich selbst wohne in einem dieser Häuser und auch wenn wir zu Beginn noch kein Wasser im Haus haben und Strom erst in einer Woche eingeleitet wird, so bin ich bereits in die Gemeinde eingegliedert, oder zumindest permanent anwesend. Dadurch kann ich viel leichter die Bedürfnisse verstehen und die Gemeinde in ihrer eigenständigen Entwicklung unterstützen und beraten. Umsetzen müssen sie es selber, denn wir „liefern“ zwar die nötigen Mittel für die Häuser und die Infrastruktur, aber leben… hier leben müssen die Menschen der Gemeinde, und daher tragen sie selbst die Verantwortung für den weiteren Aufbau ihrer Gemeinde, auch wenn wir Ihnen zumindest anfangs mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Die Nachbarn small

Die Nachbarn

 

Eine Bedrohung für mich habe ich allerdings auch schon festgestellt. Das Essen hier ist einfach zu gut für mich… Muss sehen, dass ich zumindest an den Wochenenden an den Strand und zum Schwimmen komme, sonst muss ich beim Rückflug Übergewicht zahlen – und zwar nicht für das Gepäck!